Ich hatte meine Rückreise mit dem Zug sorgfältig geplant. Die deutsche Bahn schickte mir mit dem Ticket die einzelnen Verbindungen. Um aus dem Gebiet des Vogelberges in Hessen nach Fulda zu gelangen, würde ich um 16:00 in den ersten Bus steigen, der mich zum nächsten Bus bringen würde. In Fulda hätte ich nach kurzer Wartezeit den ICE erreicht.
Da um 14:00 alle Teilnehmer unsere Treffens losgefahren waren und schon die nächste Gruppe mit ihrer Ankunft drängelte, ging ich langsam die 450 Meter zur Bushaltestelle. Ein Koffer und eine schwere Reisetasche, dazu ein Rucksack und 33 Grad im Schatten ließen mich verschwitzt und erschöpft auf die Bank des Wartehäuschens niedersinken. Ich hatte eine Trinkflasche mit Zitronenwasser dabei. Ich würde mir am Bahnhof Wasser nachkaufen müssen, oder besser Cola, da ich heute sehr früh aufgestanden war. Ich ahnte natürlich nicht, dass der Automat an meinem Gleis kaputt war.
Irgendetwas beunruhigte mich. Ich checkte nochmal die Angaben der Deutschen Bahn und den Fahrplan an der Bushaltestelle. Dort stand das Zeichen für Taxiruf und eine Telefonnummer. Mir wurde erzählt, dass die Fahrt nicht angemeldet werden muss und dass der Bus um 16:20 fahren würde. Ich sagte, hier steht 16:00 und das sei identisch mit meinem Plan, den ich erhalten habe. Das sei dann in Ordnung.
Um 15:00 stand auch ein Bus im Plan, sodass ich mich schon darauf freute, früher zum nächsten Ort zu kommen. Doch es kam kein Bus…
Ich entspannte mich etwas und die nächste Stunde verging im Fluge.
Um 16:00 kam auch kein Bus. Nun wurde es eng.
Ich wählte wieder die Nummer vom Taxiruf und wurde von der Zentrale weitergeleitet. Diesmal erzählte mir ein netter Mensch, dass diese Bushaltestelle nicht mehr genutzt wird und ich ins Dorf zu einer anderen Haltestelle laufen müsse, um eine andere, bessere und schnellere Verbindung zu bekommen. Ich ging sofort los, kam bald ins Schwitzen, trank mein letztes Wasser und merkte, dass der Anstieg zur nächsten Haltestelle mir sämtliche Kraftreserven raubte. Die Hände taten weh, ich bekam Rückenschmerzen, der Schweiß lief mir ins Gesicht und mir wurde schwindelig. Die Luft wurde zunehmend schwüler.
Ich sah einen Kleinbus mit Kennzeichen Fulda, daneben ein Handwerker und reagierte sofort: „Fahren Sie zufällig gleich nach Fulda? Ich habe den Bus verpasst und mein Zug fährt um 17:00 Uhr!“
„Ich muss noch etwas erledigen, aber ich kann Dich mitnehmen nach Lauterbach. Von dort fährt ein Zug nach Fulda. Den müssten wir noch erreichen.“
Der Typ grinste mich vorfreudig an. Ein Bus fuhr vorbei. Wäre ich schneller gewesen oder der Weg kürzer, hätte ich diesen noch bekommen.
Ich sah mich plötzlich mitten in einem Abenteuer und stieg in den Kleinbus.
Natürlich kamen wir zu spät zum Bahnhof und der nächste Zug hatte auch Verspätung. Zuerst 5 Minuten, dann 15, dann 25 Minuten. Mein Begleiter, der Fahrer des Kleinbusses nutzte die Zeit, mich besser kennenzulernen und durfte mir sogar die schmerzenden Schultern massieren. Statt Spritgeld wollte er lieber meine Handynummer. Inzwischen schreiben wir uns täglich.
Ich bekam eine Mail von der deutschen Bahn, dass mein ICE ab Fulda 25 Minuten später eintreffen würde. Doch es reichte nicht, weil der Zug ab Lauterbach auf der Strecke noch einmal 15 Minuten warten musste.
Im Bahnhof Fulda angekommen ging ich sofort zum Infoschalter und bekam von einem fröhlichen Bahnangestellten einen neuen Verbindungsplan. Sein entspanntes Grinsen ließ mich ahnen, was heute für ein Tag war. Durch Unwetter, brennende Gleise und Züge, Stromausfall, Menschen auf den Gleisen, defekter Triebwagen, verspätete langsam vorausfahrende Züge und einen Todesfall fuhren heute nahezu alle Züge verspätet oder gar nicht in die Bahnhöfe in ganz Deutschland ein.
Das führte zu Gleisverlegungen, Irritationen und Chaos sowie vollgestopfte Waggons. Bei meinem dritten und letzten Umstieg mit 60min Wartezeit musste ich bei jeder Durchsage lachen. Ich war nicht die Einzige, die das ganze Schauspiel lustig fand. Übrigens gab kurz vor meinem Zielbahnhof der Triebwagen auf…
Aber ich kam schließlich doch zuhause an.