STELL DICH NICHT SO AN
Als ich 4 oder 5 Jahre alt war, flog mir bei der Gartenarbeit meiner Eltern ein Dorn ins linke Auge. Ich schrie vor Schmerz und Panik.
Meine Mutter wollte noch weiter arbeiten, sich um meinen jüngeren Bruder kümmern und dann das Abendessen vorbereiten. Da der Augenarzt der Vater einer Lieblingsschülerin von meinem Vater war, machte er einen sofortigen Termin aus und ich durfte mit meinem Papa zum Arzt fahren. Er war nie hektisch und konnte viel besser eine tiefe Gelassenheit auf mich übertragen als meine Mutter.
Ich sehe den Arzt noch vor mir: athletischer Körperbau, schwarze Haare und eine natürliche Autorität. Ich unterdrückte den Schmerz, glaubte seinen Worten, dass er es hinbekommt und setzte mich brav auf den Stuhl. Er schaute in mein linkes Auge, doch ich konnte es nicht öffnen. Ausserdem tränte es ununterbrochen. Während er das Auge öffnete, meldete sich wieder schlagartig der Schmerz und mein kleiner Körper zappelte. Dann kam der Satz vom Augenarzt, den ich schon oft von meinem Papa hören musste: „Stell Dich nicht so an!“
Ich ließ es zu, ich tat es für mein Auge. Ich schaute in grelles Licht, bekam Augentropfen und schrie, als er seinen Finger in meinem Auge hin und her bewegte. Aber ich hielt still und siehe da, er zeigte mir schließlich einen feinen Dorn einer Wildrose. Ich bekam noch ein Pflaster und eine Piratenbinde, Bonbons und ein dickes Lob, wie tapfer ich war. Die Netzhaut war nicht beschädigt worden, das Auge brauchte noch 1-2 Tage Ruhe. Ganz stolz kamen wir zu Hause an und meine Papa erzählte am Abendbrottisch von diesem Erlebnis. „Stell Dich nicht so an“ hatte der Arzt gesagt. Meine Mutter meinte nur: „Da kenne ich jemanden, der das auch zu seiner Tochter sagt.“
Je älter ich wurde, desto mehr disziplinierte ich mich, passte mich der Härte des Systems an und wurde eine gute Schülerin. Mit 14 Jahren bekam ich eine Brille, links -3,5 Dioptrien, rechts begann mit -0,5 Dioptrien. Mit 15 Jahren war ich nach einer Bergtour schneeblind und Jahre später flog mir mal ein Sektkorken ins linke Auge. Vor einigen Jahren streifte die Wurzel eines Busches beim ausgraben mein linkes Auge und verursachte eine dicke Narbe in der linken Augenbraue. 10 Jahre meines Lebens verbrachte ich jeden Samstag mit linksseitiger Migräne, hatte linksseitige Nebenhöhlenentzündung und meine Mutter erblindete später auf dem linken Auge und verstarb nach 6 linksseitigen Schlaganfällen.
Meine Ursachenforschung ergab ein Kriegstrauma, welches an mich weitergegeben wurde – kurz gesagt. In vielen Healing Sessions lernte ich tiefer zu schauen und erfuhr mithilfe der geistigen Welt immer mehr über Ursachen und Wirkungen. Auch meine Mutter musste sich immer zusammenreißen und ließ sich dann am Ende ihres Lebens gehen.
Ich bin auf meinem Heilungsweg. Eine Brille brauche ich nicht mehr, ich sorge gut für meinen Körper und lasse mich auf alles ein, was ich als Kind und danach nicht sehen wollte oder sehen durfte. Ich brauche keinen Arzt mehr und lasse keine Übergriffigkeiten mehr zu ohne vorher nach Alternativen gefragt zu haben und habe keinerlei Angst vor Schmerzen mehr. Der Schmerz ist mein Begleiter geworden. Doch spätestens nach der ersten Geburt meiner sechs Kinder wusste ich endgültig: „An Schmerzen stirbst du nicht!“
Doch ich wundere mich immer noch, warum so viele Menschen noch Angst vor Schmerzen haben, eine lähmende Angst, die sie von natürlichen Körperempfindungen wegführt und welche die wichtigen Glücks- und Liebeshormone unterdrückt. Oder ist es die Sucht nach Leiden? Inzwischen ist auch mein inneres Sehen entwickelt und ich sehe immer wieder bei Menschen, dass sie hinter einem Tor einen goldenen breiten Weg vor sich haben, aber ständig nach einem anderen Weg suchen. Also dieses patriarchale „Stell Dich nicht so an“ hat mich zwar nicht gerade in meine Weiblichkeit geführt, doch weggebracht von egozentrierten emotionalen leidvollen Jammertälern. Ich habe mich lieber an positiven Gedanken und Gefühlen orientiert, lieber gelacht als geweint und lieber geforscht als mich als Opfer zu fühlen.
Heute morgen hat mein Auge mir diese Erinnerung geschenkt und später kam eine Botschaft von der Seele meiner Mutter, dass sie jetzt befreit ist und ins Licht möchte. Mein linker Augennerv vibriert grade, als ob etwas sich befreit!
FAZIT: Achte auf die Zeichen deines Körpers, wenn Du aufwachst.